Wann haben Sie das letzte Mal den Zufall entscheiden lassen?
Wann haben Sie das letzte Mal den Zufall entscheiden lassen?

Lernfabrik oder freie Schule, gute oder schlechte Noten?

Eine liebe Freundin aus Jena, Jasmin, Teilnehmerin des JETZT-Projektes, fragte mich kürzlich in einer E-Mail, inwieweit mir meine Kinder denn „nachlaufen“ sprich einen ähnlichen Weg wie ich einschlagen, also Röcke und hohe Schuhe tragen, ihre Nägel anmalen… Na, das war ein Scherz, das meinte sie mit ihrer Frage nicht. Mit dem Thema haben die Sprösslinge eher ihre liebe Not und würden mich wohl manchmal lieber verstecken 😀 . Andererseits genießen sie die Freizügigkeit, die sie in Kleidungs- und Weltanschauungsgedanken bei mir und uns finden. Wer hat schon Eltern, die einen darin bestärken, dass Schule eigentlich Blödsinn ist, Lehrer meist leer sind, und lange Haare für Jungs eine Lustfrage? Die Frage von Jasmin zielte wohl eher auf meinen spirituellen Lebensweg ab.

Es folgt meine Antwort, heute ergänzt um ein paar weitere Gedanken. Ich habe übrigens fünf Kinder, drei davon und von denen schreibe ich hier, sind zwischen 13 und 17 Jahre alt. Entgegen allgemein üblichen Erfahrungen gibt es bei uns keine nennenswerte pubertäre Revolte gegen die „Alten“, weil wir den Kindern nur dort Vorschriften machen, wo es um die Abgrenzung und Aufgabenerfüllung innerhalb der Familiengemeinschaft geht. Ich verstehe mich nun mal nicht als der knierutschende Lakai meiner Kinder, der hinter ihnen her räumt und wischt. Für mich sind Kinder auch für lange Zeit keine gleichwertigen Gesprächspartner, wenn es um das konkrete Leben geht. Aber sie sind ab Geburt absolut gleichwertige Partner im Gefühlsaustausch. Somit gibt es über praktische Belange bis auf seltene Ausnahmen keine Diskussionen, weil ich es Kraft meiner Autorität und dem Gesetz des Stärkeren nicht gestatte.

Doch geht es um Gefühle, dann wird zusammen geweint. Hier in der Gefühlswelt gilt für mich den Kindern gegenüber absolute Offenheit. Niemals würde ich mich hier über sie stellen, geschweige denn Ratschläge erteilen. Diesen feinen aber äußerst bedeutsamen Unterschied zwischen der Hierarchie durch Lebenserfahrung in der konkreten Welt und der Auge in Auge Situation als fühlendes Wesen, entgeht heute der Mehrheit der Erziehungsberechtigten. Sie diskutieren noch mit ihren Zwergen, wenn es darum geht, ob man nun auf eine heisse Herdplatte fassen sollte oder nicht. Eine der Folgen ist der rasante elterliche Alterungsprozess infolge von Bandwurmdiskussionen. An deren Ende frohlocken meist die Zöglinge, dass sie der endgültigen Dressur ihrer „Alten“ ein Stück näher gekommen sind. „Hey Mann, Vadder, hol mir mal ein Bier und dann fahr mich in die Disko.“

In einer natürlichen Eltern-Kindbeziehung gibt es klare Aufgabenverteilungen, die ohne jede Diskussion einzuhalten sind. Daran reibt sich der Nachwuchs kaum, vorausgesetzt, niemand hat ihnen im Kleinkindalter aus kurzsichtigen Zeitspargründen das Bedürfnis zur Nachahmung vermiest. Kinder wollen das tun, was die Großen tun. Das ist Natur. Wir lernen nicht, was auch immer dieser schwammige Begriff bedeuten soll. Wir ahmen nach, so wie es jeder Affe tut. Und wenn einer sich an Grenzen reibt, erfährt er gleichzeitig Geborgenheit. Auch ein Haus ist nur kuschelig, weil es Wände hat. So ist das Leben allzeit weise.

Und was ganz wichtig ist: Bei uns dürfen Kinder leiden! Es ist unendlich wichtig, seine Kinder leiden sehen zu können. Gleichgültig, ob sie von der geschlossenen Glastür abprallen, was bei uns schon mal passiert, oder ob sie Seelenschmerz mit ihrer ersten Liebschaft durchstehen. Trösten ist meist nichts anderes, als verdeckter Egoismus, weil Du als Elternteil fürsorglich gut dastehen willst, um Bonuspunkte für Deine Existenzberechtigung zu sammeln.

Alle üblichen Vorgaben, die das Thema Persönlichkeitsentfaltung berühren, sind hingegen Tabu. Das gilt erst recht, wenn man meint, für sein Kind „nur das Beste zu wollen“. EINHEIT-lich gesehen sind Kinder die Kinder des Lebens und nicht Dein Eigentum. Was maßt Du Dir an zu wissen, was für Dein Kind gut ist? Soll es etwa auch noch in Deine Fußstapfen treten und zu einem Klon Deiner Lebensvorstellungen werden? Lasse ihm die Wahl zwischen Penner und Bundeskanzler und freue Dich, wenn es sich für den Penner entscheidet 😉 . Na gut, das war hart…aber fair. So ein kleiner Seitenhieb auf die egomanen Heißluftbläser im Politdrama sollte immer drin sein…

Die meisten Menschen sind nicht sie selbst. Ihre Gedanken sind die Gedanken eines anderen, ihr Leben ist eine Nachahmung, ihre Leidenschaft ein Zitat.
Oscar Wilde, gefunden von Dieter P. aus Herrsching

Der persönliche Freiraum schließt die Auswahl der Freunde, die Haarfarbe und die Noten in der Schule gleichermaßen mit ein. Auch das Wiederholen einer Klasse überlasse ich meinen Kindern, solange man sie noch unbedingt auf der Schule haben will. An sich ist Leben mit Kindern also überaus einfach und sehr schön, wenn da nicht die vielen Erziehungstheorien wären, mit denen verunsicherte und ihrer Intuition beraubte Eltern zugemüllt werden. Der Wechsel dieser fachidiotischen Lehrmeinungen ist ähnlich rasant wie in der Schulmedizin.

Viele Menschen würden nie mit vollem Mund sprechen, tun es aber bedenkenlos mit leerem Kopf.

Es gab mal eine Zeit, da dachte ich, mit Waldorfschule oder einer anderen freien Lehreinrichtung könnte ich meinen Kindern Gutes tun. Das Leben bot mir aber hier auf dem Lande dazu nicht die Gelegenheit. Und ganz nebenbei bemerkte ich im Laufe der Jahre, dass dies wohl eine Rudolf verSTEINERte Idee war. Was nützt das beste Schulmodell, wenn die Lehrer es nicht lebendig fühlen und lehren können. Und ob Rudolf Steiner als koksender (heisst kokainabhängiger) Vortragsmaniker aus der schwarzmagischen Welt der Geheimbünde unbedingt eine glaubwürdige Leitfigur war, das muss jeder selber herausfinden. Damit diese saloppe Personenbeschreibung nicht ohne Quellenunterlegung im Raume steht, dämpfe ich eventuelle empörte Aufschreie mit einer Persönlichkeitsanalyse von Steiner auf der Grundlage des Hamer`schen Ordnungssystems der Krankheiten.

Falls Dir Hamer ein Begriff sein sollte, dann kündige ich Dir hiermit schon mal eine weitere Aussendung an, die verständlich machen wird, warum Dr. Hamer keine neue Medizin gefunden hat, sondern „nur“ das Ordnungssystem der Erkrankungen hieb- und stichfest belegen konnte. Damit wir uns nicht missverstehen, das ist eine großartige Leistung. Doch sein therapeutisches Denken ist hierbei eher als bruchstückhaft, inkonsequent und mässig psychosomatisch einzustufen. Nicht umsonst sind seine engsten Mitstreiter mehrheitlich an schweren Krankheiten verstorben. Aber das ist heute nicht unser Thema und seins wohl auch nicht. Wenn, dann hat es ihn höchstens heimlich nachdenklich gemacht. Dieser kleine Exkurs erschien mir gerade wichtig, weil ich oft nach Dr. Hamer gefragt werde, und was ich davon halte.

Der Mensch wird frei geboren und dann eingeschult.
H.G. Wells, gefunden von Dieter P. aus Herrsching

Meine Kinder konnten also mangels Angebot keine freie Schule besuchen, gründen wollte ich allerdings auch keine. Im nachhinein bin ich froh, dass ich mit einem schlechten Gewissen angesichts meiner diesbezüglichen Trägheit davongekommen bin. Ein langjähriger Freund machte den Fehler und gründete im Sauerland eine Waldorfschule, vor der er erschreckt nach relativ kurzer Zeit mitsamt seinen Kindern flüchtete. Die blutleeren Diskussionen von Eltern und Lehrern gingen ihm als Mann der Tat durch Mark und Bein. Sie teilten eine Idee im Kopf, während ihr Bauch, statt diese zu fühlen, bestenfalls mit der Verdauung des letzten vegetarischen Schnitzels beschäftigt war.

Was musste bzw. durfte ich dann als bisherigen Lebensweg meiner Kinder beobachten? Nun, ich sehe sie „tief unten“ in der Verstrickung mit belanglosem materiellen Konsum, wenig spirituell, handyfixiert, schulunlustig bis müde, Allgemeinplätze nachplappernd „das gute Amerika, der böse Saddam und hast Du schon die geilen, neuen Klamotten von Dumm und gar nicht Günstig gesehen“, und nicht zuletzt computerbegeistert. Ganz normale KInder unserer Zeit, wie ich eines war. Keine Auffälligkeiten. Ich lasse sie ihren Weg gehen, auch wenn so manche ihrer Einstellungen mir beinahe köperliche Schmerzen verursachen. Die Jungs sind noch am ehesten sensibel für kritisch andere Sachverhalte hinter dem Oberflächenmüll, eigentlich erstaunlich für das männliche Geschlecht. Die Wahrscheinlichkeit, dass solche ungewöhnlichen Einsichten in mir aufbrechen, war allerdings ebenfalls als gering einzustufen. Gutbürgerlicher und stromlinienförmiger als ich konnte man wohl kaum groß werden. Schaffe, schaffe und so weiter….Spiritualität, wie schreibt man das? Hat das was mit Sprit zu tun? Mittlerweile danke ich der Weisheit des Lebens und halte es für wichtig, in der normalen Welt in eine normale Schule zu gehen. Wie willst Du sonst entdecken, dass der größte Wahnsinn des Menschen die Glorifizierung des Normalen ist. Über dem Normalsein wird allgemein vergessen, am Leben teilzunehmen, und zwar am eigenen.

Das einzige Leben ist zumeist dasjenige, was man nicht lebt.
gefunden von Dieter P. aus Herrsching

Selbst wenn es mir heute beim Zuschauen, wie gesagt, eher Schmerzen bereitet. Doch wie willst Du in Aufbruchstimmung kommen und an Bewusstheit gewinnen, wenn Du nicht in diesen materiellen Niederungen rund um Markenwahn, Handys, Normalität bis zum Hosenknopf und anderen Belanglosigkeiten gelitten hast? Wie soll Deine Sehnsucht nach Sinn genährt werden, wenn Du nicht die vollkommene Sinnlosigkeit des heutigen Schul- und Bildungssystems samt seiner Leerinhalte für eine funktionsorientierte Leistungsgesellschaft durchlitten hast? Leben ist Fühlen der Gegensätze.

Die Öffentlichkeit ist herrlich tolerant: Sie vergibt alles, außer Genialität.
gefunden von Dieter P. aus Herrsching

Ich habe mich in der Schule gelangweilt, fand nur die Pausen oder eine gelegentliche Einser Note gut. Mut zur Individualität hatte ich so wenig wie die meisten und so blieb ich ein querdenkerisch veranlagter, unauffälliger Opportunist, jedenfalls für lange Zeit. Und wer sich nun mit meinem mentalen Kahlschlag in Sachen Bildung und Gesellschaft nicht einverstanden erklären mag, dem lege ich das Studium wenig beachteter Hinweise zum Thema Genialität und Intelligenz nahe. Und ich lege Dir die Frage vor, was der Mensch außer der seit Jahrtausenden anhaltenden Zerstörung des Planeten sonst Erquickliches geleistet hat? Ein paar gute Maler, Komponisten und Architekten, allesamt schon lange verstorben, machen das Schlachtfeld noch lange nicht wett.

Halten wir zunächst mal fest, dass gute Noten in der Schule nichts mit Intelligenz zu tun haben. Sie spiegeln vorzugsweise die Fähigkeit wider, kritiklos das auswendig zu lernen und zu üben, was der Lehrplan respektive der Lehrer für richtig hält. Wenn Du Zweifel daran hast, ist höchstens noch eine Zwei drin….kleines Wortspiel, denn besagte Zweifel lenken vom widerstandlosen Aufsaugen ab. Hätte das Leben nicht eine Reihe von Nebenstrassen zu Erfolg und Individualität, säßen wir heute vielleicht noch im Dunkeln, denn Thomas Edison, der Vater von Gleichstrom und Glühbirne, war nicht nur in der Schule eine trübe Funzel. Sein Vater hielt ihn ebenfalls für ziemlich beschränkt, was er selber dank Nachahmungstrieb weitgehend bejahte. Wir würden uns heute nicht vor Einstein verneigen, selbst wenn seine Relativitätstheorie relativ falsch ist, was sich allmählich herausstellt. Einstein hätte sein Leben mit einer Staublunge in den Tiefen des Berner Patentamtes beschlossen, hätte das Leben ihm als Leseschwachen nicht einen anderen Weg gebahnt, der seinem genialen Geist Auslauf und Akzeptanz zugestand. Du wirst wenige, sehr wenige wirklich geniale, innovative, revolutionäre und evolutionäre Entwicklungen finden, die auf gute Schüler zurückgehen. Damit will ich niemandem zu nahe treten, jeder tut sein Bestes oder was er dafür hält. Am Ende kommen wir aber nicht umhin, dass der gute Schüler erst mal das Korsett des Erlernten und Normalen abstreifen muss, bevor er wirklich genial, kreativ, ein bischen verrückt und damit individuell werden kann.

Unschwer sind diese Zeilen wohl als Plädoyer für Individualität und frei fließende Genialität zu erkennen. Würde das nur wenige betreffen, hätte ich dies nicht schreiben müssen. Jeder Mensch hat eine ihm eigene Genialität! Jeder hat ein unverwechselbares und wertvolles Talent, jeder! Also entspanne Dich und Deine Kinder, wenn sie in der Schule Schwierigkeiten haben, oder sogar Versager sind. Versager landen im System auf der Sonderschule, heutzutage in wachsender Zahl. Diese Versager sind erfahrungsgemäß wertvolle Individualisten und/oder sie hatten das „Pech“ über ein Talent zu verfügen, das in der stromlinienförmigen Schulwelt, wo der Wert auf geistiges Klonen gelegt wird, nicht gefragt ist.

Es gibt also nicht den geringsten Grund, seinen Kindern eine so genannte gute Ausbildung angedeihen zu lassen, höchstens wenn Du sie foltern willst. Sollen Sie zu Zombies werden, wie all diejenigen, die Montag morgens müde mit am Boden schleifendem Unterkiefer die Fußgängerzonen, U-Bahnen und Bushaltestellen bevölkern? Sollen sie für einen Lohn arbeiten, von dem das Meiste für Zinsabzocker einbehalten wird? Sollen sie ihr mickriges Salär, diese wenigen verbleibenden Euro, in denen noch einmal 46 Cent versteckte Zinsen und Steuern nebst giftigen Schwermetallen enthalten sind, in ALDI LIDerLichen Billigfraßläden tragen?

Es gibt andere Wege, erfüllende, abwechslungsreiche und lebendige, im Leben zu seinem Erfolg zu finden. Öffne die Augen, fördere die Talente Deiner Kinder, die Schule tut es gewiss nicht. Und der Preis der freien Schulen ist, dass die Kinder dort eher selten den „Angst-Frust“-Startschub bekommen, der die Sehnsucht nach dem echten Leben weckt. Wie sagte Antoine de St. Exupery sinngemäß: Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann erkläre den Menschen keine Baupläne, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem großen, weiten Meer. Aus den freien, „sanften“ Schulen stolpern die Kinder anschließend in eine Welt voller Menschen, deren Fühlen, besser Nicht-Fühlen und Handeln sie überhaupt nicht verstehen. Sie kennen das schmerzliche Erlebnis der Robotisierung des normalen Menschen in der normalen Schule nicht.

Wenn man mir zustimmt, habe ich immer das Gefühl, im Unrecht zu sein.
Oscar Wilde, gefunden von Dieter P. aus Herrsching

In diesem Sinne wünsche ich Dir eine nachdenkliche Zeit. Leide weiter an den schlechten Noten und dem Stress Deiner Kinder oder mache die Augen auf, und begebt Euch gemeinsam und entspannt auf Talentsuche. Und wenn die Sechser in der Schule purzeln, na dann sollen sie halt.

Übrigens: Es kommt erstaunlich oft vor, dass das Beherzigen meiner etwas aus dem Rahmen fallenden Betrachtungen zu einer Entspannung führt, die unerklärlicherweise bessere Noten als Nebenwirkung hat. 🙂 .

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  • Frank Stuwe

    18. April 2017 um 08:14 Uhr

    tja leider für mich nicht überprüfbar derText Rudolf Steiner und seine Konflikte.

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