Kürzlich erreichte mich die Frage zu einer Wirksubstanz und deren Sinnhaftigkeit, die nicht ungewöhnlich aber charakteristisch ist. Angesichts des verbreitet gut indoktrinierten Glaubens an die Wirksamkeit von Chemikalien natürlichen oder Laborursprungs, habe ich die Antwort etwas ausführlicher gefasst und stelle sie dem Verteiler zur Verfügung.
Die Frage von Axi aus München:
Hi, lieber Uli,
Hast Du mal was über den Homocysteinwert gehört ? Seine erhöhten Werte verursachen die typischen Krankheiten wie Krebs, Schlaganfall, Alzheimer ….
Meine Mutter hat das Buch gelesen: „Die 7 Revolutionen der Medizin“ von Uwe Karstädt. Er sagt um den Wert zu senken sollte man Synervit und Omega 3 Fettsäuren einnehmen. Ist das gut, wenn man das macht? Kennst Du ihn oder seine Bücher? Was denkst Du darüber?
Meine Antwort:
Jeder Mensch hat die Lizenz zum…Verkomplizieren seines Lebens. Davon machen wir allzu gerne Gebrauch 😉 . Die Frage Richtig oder falsch stellt sich weniger, vielmehr geht es darum, woran Du glaubst oder glauben willst oder glauben musst oder noch glauben musst, weil Du noch nicht oft genug ent-täuscht wurdest.
Grundsätzlich und simplonisch folgerichtig sind alle Aussagen fragwürdig, die eine maschinenartige, verlässliche Wirkung von irgendetwas innerhalb des menschlichen Organismus behaupten. Der Stoffwechsel ist unendlich komplex, die Wechselwirkungen zu jedem Augenblick vollkommen unberechenbar. Mang geht von wenigstens einigen zigtausend chemischen Reaktionen pro Sekunde aus.
Gelegentliche Treffer im Sinne von „Substanz zugeführt, bestimmte Wirkung beobachtet “ bieten bestenfalls die Grundlage für ein marktschreierisches Marketing. „Nimm dies und erlebe das“ in der Pharmawerbung suggeriert eine völlig wirklichkeitsfremde Planbarkeit. Die Realität ist individuell und unberechenbar. Hinzu kommt, dass Psyche und Stoffwechsel eng miteinander verflochten sind und das Gesamtbild immer die Einbeziehung beider Komponenten erfordern würde. Doch das scheitert noch einmal mehr an der komplexen Unberechenbarkeit.
Ohne die Motive des Handelns und die Glaubenssätze zu kennen, ist die Behauptung einer Ergebnisvorhersage geradezu absurd. Das belegen unter anderem die vielen eindrücklichen Placebostudien. Ohne weiteres kann man einem Patienten eine wässrige Lösung mit dem messbaren Erfolg der Schmerzlinderung als hochpotentes Morphium „verkaufen“. Solche und andere Beobachtungen dürften die Untrennbarkeit von innerer Wirklichkeit und „Substanzwirkung“ untermalen.
Um es ein wenig profaner, dafür aber noch deutlicher auszudrücken: Wenn hier in Schongau jemand in den Wind furzt und dabei behauptet, dass daraufhin die Bewohner der Marienstrasse Nr. 7 in Kempten aufgrund der gezielt zugeführten Gase bewusstlos werden, dann haben wir in etwa die Wahrscheinlichkeit formuliert, mit der eine definierte Wirkung von Homocystein oder irgendetwas anderem an einem bestimmten Platz im Körper eintritt. Das war doch nicht zu derbe, oder 😀 ?
Weitere Frage von Axi:
Was das „Furzen“ angeht brauchst Du Dir in Zukunft keine Sorgen mehr machen, denn es wird bald ein „Fremdwort“ sein. Die Kühe bekommen jetzt Tabletten dagegen. Schliesslich sind sie die Mitschuldigen an der Klimaveränderung. 😀 , 😀 , 😀 . . . . .
Eines musst Du mir noch erklären: Warum nehme ich dann Deine Mineralien ein und mache die Darmkur? Das ist doch genau dasselbe. Das eine sind Mineralien und das andere Vitamine? Ist in den heutigen Nahrungsmitteln von diesen Dingen nicht zu wenig enthalten?
Meine Antwort:
Vitamine, Enzyme und dergleichen sind spezifische Wirksubstanzen. Das trifft so auf Mineralien nicht zu, sie sind die Bausteine der ersteren. Daher können auch keine Abhängigkeiten entstehen. Bei der Mineralienzufuhr geht es nicht um die Auslösung spezifischer gewünschter Wirkungen bzw. Symptombeseitigungen, sondern um die Schaffung der Voraussetzungen für eine erfolgreiche Regeneration und Selbstregulation, wo auch immer sie im Gesamtgeschehen des Köpers gerade möglich ist und umsetzbar ist. Die Umsetzbarkeit ist wiederum eine Frage der Geisteshaltung, sie muss über Veränderungsbereitschaft Bewegung ermöglichen.