Es ist eine Bereicherung, wenn wir bewegende Erfahrungsberichte, wie diesen von Julia erhalten, die sich bereits sehr intensiv mit der Simplonik befasst hat. In diesem Bericht teilt Julia weitere tiefgehende Erkenntnisse mit, die Ihre Wahrnehmung zum Einfluss von Todesangst auf Entscheidungen in ihrem Leben erweitert haben und wie sie sich damit selbst besser kennengelernt hat.
Für die Bereitschaft zur Veröffentlichung danken wir Julia von Herzen!
Hier gerne noch weitere, neue Erkenntnisse zur Ergänzung meines letzten Berichts:
Mir wurde diese Woche bewusst, dass ich mein ganzes Leben danach gerichtet und mich zutiefst gequält habe, bis heute. Jede Entscheidung beruhte auf dieser panischen Angst vor Nasenbluten. Ich konnte mich ab diesem Tag, also ab meinem 6. oder 7. Lebensjahr, nie mehr fallen lassen oder irgendetwas genießen. Jede Turnstunde war eine Qual, weil ich da ja Blut sehen und nicht davonrennen konnte. Überhaupt war jeder Schultag eine Tortur, da bei so vielen Kindern ja ständig jemand blutete. Ich war jeden Tag hochaktiv und in Bereitschaft jeden Moment flüchten zu müssen. Wenn’s zur Situation kam, fühlte ich mich wie gesagt dreckig, die darauffolgenden Nächte waren dann auch immer schlaflos. Ich habe die Farbe Rot überall gemieden, ja sogar beim Lesen des Wortes „Nasenbluten“ bekam ich Hitzewallungen.
Ich habe die meisten Kinder gemieden, später auch Erwachsene, bei welchen ich wusste, dass sie eine Neigung zu Nasenbluten hatten. Ich kam dann natürlich als arrogant oder unsympathisch rüber. Massenversammlungen, sportliche Vereine oder sonstige Großanlässe gehörten ebenfalls nicht oder nur ganz selten, aber dann unter hoher Anspannung, in mein Leben.
Diesen für mich massiven Konflikt verstecken zu müssen, aber trotzdem dazugehören zu wollen, Anerkennung zu betteln, allen gefallen zu wollen, gute Leistung in der Schule zu bringen und überall die Beste sein zu wollen, war sehr belastend. Ich habe mich mit Kontrolle und Disziplin für alles gequält, was ich eigentlich nicht wollte.
Früher bin ich dann öfters mal zusammengeklappt. Der damalige Arzt meinte, es wäre der niedrige Blutdruck. Heute weiß ich es besser.
Ich fand dieses Leben regelrecht zum Kotzen. Daher wohl auch meine langjährige Bulimie mit anschließendem Nervenzusammenbruch und Selbstmordversuch mit Tabletten (ich war Apothekengehilfin und kam daher leicht an sie heran), welche ich aber einige Minuten später wieder zu erbrechen versuchte. Das konnte ich aufgrund oder in diesem Falle Dank der Bulimie ja gut. Denn ein Blitzbegegnung mit einem Bekannten, welcher einige Jahre vorher Suizid beging, teilte mir mit, dass ich noch nicht so weit bin und noch schönes im Leben zu erfahren habe… Klingt verrückt, war aber wirklich so.
In einem Bericht der Simplonik bin ich auf eine negative Grundannahme gestoßen, die genau zu mir passt: Selbstkasteiende unterwerfende Selbstzerstörerin.
Seit 13 Jahren bin ich nun Mama (mein Körper ist übrigens 43 Jahr alt) und sogar bei meinen Kindern habe ich alles anhand dieses Konflikts entschieden. Dafür schäme ich mich zutiefst und es tut mir sehr leid, sie so eingegrenzt zu haben. Aber dank der Simplonik weiß ich auch, dass alles so hat sein sollen und ich nichts falsch machen konnte. Ich bin dabei, das zu beherzigen. Meine Kinder sind meine schönste Lebenserfahrung.
Meine Todesangst hat sich mit den Kindern um einiges verstärkt. Ich traute mich kaum noch Auto zu fahren oder aus dem Haus zu gehen. Ich muss ja für sie da sein, mir darf nichts zustoßen. Was würden sie denn ohne Mama machen…Autobahnen meide ich heute immer noch. Das ist mir zu hastig und das stresst mich zu sehr, gerate in Panik und habe dieselben Signale wie beim Anblick von Nasenbluten.
Meine stark ergrauten Haare und leicht beginnenden Krampfadern seit meinem 30. Lebensjahr sind dann wohl die ersten körperlichen Signale, welche mich auf die Resignation und Erstarrung aufgrund dieser Ängste hinweisen möchten.
Ich habe mir auch simplonisch die Frage gestellt, warum ich dieses Problem all die Jahre haben wollte. Auch darauf kam eine erste erleichternde Erkenntnis. Im Inneren bin ich eine sehr ruhige und faule Natur. Außerdem wollte ich immer schon unabhängig und eigenständig sein und nur mit wenigen Menschen zusammenleben. Ich fühlte mich einfach wohl und entspannt, allein zu sein und mein Ding zu machen. Uli sagte in einem Kurs, er sei der Narr im Tarot. Das machte mich neugierig und ich suchte dann nach meiner Seelenkarte: Der Eremit, das passt also perfekt.
Das erklärt mir auch, dass mich diese leitende Angst vor Nasenbluten immer wieder bremsen, mich vor zu reizvollen Anlässen schützen und auf den Weg der Eigenständigkeit leiten wollte. Ich brauchte wohl diese brutale Art, da ich ein sehr trotziges, ungeduldiges und besserwisserisches Kind war oder immer noch bin.
Während all den vermeintlich negativen Erlebnissen, habe ich aber auch meine Bestimmung, meine Herzensangelegenheit entdeckt. Ich habe mir das Nähen mit 32 Jahren selbst beigebracht und nähe heute mit viel Herz Kuscheltiere, welche ich verkaufe und somit meine Simplonik-Kurse und Mineralien finanzieren kann.
Das sind also meine fast letzten 40 Jahre zusammengefasst in ein paar Zeilen.
Dank Uli bin ich heute auf dem Weg, mich immer besser kennenzulernen, mich zu entdecken, meine Schwächen zu erkennen und sie nicht als falsch zu fühlen. Ich bin froh und erleichtert, nicht perfekt sein zu müssen, niemandem gefallen zu müssen, meinen bisher ungeliebten Perfektionismus in meine Herzensarbeit, dem Plüschtier nähen zu integrieren. Ich war schon immer eine sehr sensible Person, jetzt bin ich auf dem Weg, ein einfühlsamer Mensch zu werden und die einzelnen Fäden der zappelnden Marionette Stück für Stück zu durchtrennen. Da gibt’s kein zurück!“
Ich könnte dir stundenlang zuhören lieber Uli, mache ich übrigens auch. Seit 1.5 Jahren höre oder lese ich jeden Tag irgendetwas von dir. Immer und immer wieder und jedes Mal lerne ich Neues dazu. Zu Beginn habe ich wirklich monatelang nichts verstanden. Ich habe mich oft gefragt, ob ich denn wirklich so blöd bin, um die Simplonik zu verstehen. Aber meine Neugier hat nicht losgelassen. Unbewusst war mir wohl klar, dass ich da dran bleiben muss und es sich lohnen würde. Alles, was ich vorher versucht hatte, war mir zu kompliziert. Ich suchte schon immer die Einfachheit.
Danke herzlichst, lieber Uli
Liebe Grüße
Julia